Startseite Aktuelle Berichte Laufen: Karl-Heinz Jost (74) lief in Bombay 2011, seinen 350. Marathon
Laufen: Karl-Heinz Jost (74) lief in Bombay 2011, seinen 350. Marathon Drucken E-Mail
Donnerstag, den 09. Februar 2012 um 09:51 Uhr
Eine kleine Gruppe, unter Leitung eines in Deutschland lebenden Inders, flogen wir über Dubai nach Mumbai. Die Engländer hatten während ihrer Besatzungszeit die Stadtnamen geändert.
laufen_12_2011Am Abend vor dem Lauf wurden wir von den Medien interviewt. Mich als Gesichtsältester, mit dem langen weißen Bart, fragten sie: Welche Zeit ich wohl laufen würde?  Meine Antwort: 6 Stunden.
Um 3 Uhr war im Hotel ein leckeres Frühstück angerichtet. Doch wir haben nur ein wenig davon gekostet. Wir machten uns in der schwarzen Nacht auf den Weg.
Auf den Straßen, in Decken eingewickelt, lagen viele Menschen, vom Baby bis Großeltern. Überall Absperrungen. Wir hatten Zäune, Hecken, Autowracks, Menschenknäule und Polizeigruppen zu überwinden.
Gruppenfotos mit den 12 deutschen Teilnehmern. Um 6 Uhr eine Autosirene als Startschuß. Schlaftrunken und träge setzten sich die ca. 600 Läufer in Bewegung. Die ca. 100 Eliteläufer starteten 90min später. Es war windstill, 24°C bei 85% Luftfeuchte. Wir liefen auf der Promenade an der Bombay-Bucht entlang. Vereinzelt bunt gekleidete Bands, mit für uns fremden Klängen. Die Sonne kämpfte sich mehr und mehr durch den Smog. Die Temperatur stieg auf 35°C. An den wenigen Getränkestellen lagen nur noch leere Kartons. Kraft kostete es über die hohe, lange Hafenbrücke. Danach begann für mich ein ca.15 km langer Kampf im Autodschungel, Motorradfahrer und Menschenmassen und das alles ohne Markierungen. In einer Flasche hatte ich noch eine kleine Notreserve. Weggeworfene Trinkpacks mit Strohhalm, klaubte ich von der Straße auf und trank die Reste aus. Ich wollte nicht dehydrieren und konnte so auch mein Tempo halten. Lautsprecherdurchsagen wiesen mir die ungefähre Richtung zum Ziel. Dann sah ich das Zieltor und die Uhr mit den schell laufenden Ziffern. Meine offizielle Zeit 6:00:08Std. Hätte ich nicht ca. 130 Bilder geknipst, wären mir der 2. Platz, M70 und 600$ Preisgeld sicher gewesen.

Am nächsten Tag flogen wir nach Agra und zum Taj Mahal, wo ich um meine Geldbörse mit allen Papieren und 1500€, in drei Währungen, erleichtert wurde. Auf der Polizeiwache machte ich den Offizier auf das Wort lost im Protokoll aufmerksam. Seine Antwort: Nehmen Sie mit nach Deutschland. In Indien gibt es keine Diebe. In Indien wird nicht gestohlen.
Das war eine sehr erlebnisreiche, abenteuerliche Reise.

Karl-Heinz Jost, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 09. Februar 2012 um 10:01 Uhr