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5. Nord-Ostsee-Kanal-Lauf Drucken E-Mail
Dienstag, den 30. Juni 2009 um 06:17 Uhr

Ein Benefiz-Lauf für MS-Erkrankte, organisiert von Karl-Heinz Jost

Laufen für die, die nicht mehr laufen können.

Am Samstag, dem 13. Juni 09 um 6.45 Uhr eröffnete der 1. Vorsitzende des TuS H/M Hans-Jürgen Bauer mit einer kurzen Ansprache den Reigen der Redner zum 5. Start des NOK-Laufes.

Es folgten noch die Grußworte des Geschäftsführers der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, DMSG, Andreas Heitmann und des Kieler Bürgermeisters Peter Todeskino und Karl-Heinz Jost des Organisators. Um kurz nach 7Uhr schickte uns der Ratsherr Bernd Vogelsang mit einem Startschuß auf die mehr als 16Stunden lange Strecke. Wir alle ließen mit den anwesenden, teilweise in Rollstühlen sitzenden MS-Betroffenen, mit Edelgas gefüllte Luftballons steigen..
Aus der ganzen Republik hatten sich 26 Langstrecken erprobte LäuferInnen gemeldet. Die bisherigen Finisher katalogisieren diesen Lauf am Nord-Ostsee-Kanal entlang, als den „härtesten Ultra Norddeutschlands“. Nochnicht-Finisher schütteln den Kopf: Wieso, ist doch „plattes Land“. Spätesten ab Fähre Breiholz werden viele nachdenklich.
Die Schiebesonne“ im Rücken und Bremswind von vorne und Entenfamilien auf unserem Trampelpfand, lag linker Hand die große Parafin-Brandstelle der Nacht, auf dem Gelände des Nordhafens.

1462 Start in gelber Jacke Karl-Heinz Jost, Organisator, in taubenblauer Jacke Peter Todeskino Bürgermeister von KielAm Verpflegungspunkt des TuS H/M für den Hochbrücken-Lauf, war auch unsere erste „Tränke“. Hier wendeten die ersten Mitläufer und brachten auf dem Weg vom Bäcker die Frühstückbrötchen mit nach Hause.
Vorher schon, am Polterberg, stand ein „Observer“, ob Auffälligkeiten erkennbar sind.
An Fähre Landwehr kehrte, angekündigter Weise, Peter Todeskino um. Karl-Heinz Jost wurde, vom Eventarzt, Dr. Arwed Bonnemann, aus dem Rennen genommen. Eine fiese Bakercyste in der rechten Kniekehle, lies für die letzten 96km, nur noch humpeln zu. Über das Gut Rosenkranz führte der Weg weiter zur Panzerquerung nach Bökenrott. Bis zum nächsten Empfang mit Phototermin auf dem Paradeplatz in Rendsburg, verlief sich die Gruppe, obwohl sechs Teilnehmer zum fünften Mal dabei waren, vier mal. Womit bewiesen ist, dass ein „Rennleiter“ seine Daseinberechtigung hat.
Wieder waren viele MS-Betroffene mit ihren Familien, teilweise mit eineinhalb Stunden Anreiszeit, zu unserer Begrüßung gekommen. Musik war organisiert und der 2. Bürgermeister fand für die MS-Gruppe und uns Läufer viele warme Worte. Es folgten weitere Reden. Eine spontane Osterrönfelder-Mit-Läuferin führte die Gruppe sicher durch den Tunnel wieder ans Wasser.
Nach der „Längsten Bank am Kanal“, erwartete uns an der „Alten Lotsenstation“ der bestellte Akkordeon-Spieler Uwe Nielsen aus RD. Während die Läufer futterten, erzählter er uns immer wieder derbe Döntjes. In Breiholz wechselte die Gruppe mit der Fähre, wegen Bauarbeiten auf dem nördlichen Betriebsweg, auf die Südseite bis zur Fähre Oldenbüttel. Die Fährfahrten waren für alle eine willkommene Erholung und für die Binnenländer eine maritime Bereicherung. Auf dieser 9km langen Etappe, gab es die ersten deutlichen Anzeichen der Härte der Strecke in den Gesichtern und Beinen des Einen und Anderen.
Es ist 17Uhr und es sind 65km geschafft und es bleibt nur noch ein Marathon. Der Weg führte landeinwärts über die Klappbrücke über den Gieselau-Kanal, zurück ans Kanalwasser, wo uns getauchte U-Boote erwarteten. Nur für die Holsteiner zu erkennen, an den faustgroßen aus dem Wasser ragenden Sehrohrenden.
An der Grünentaler Hochbrücke sind 136Stufen zur Verpflegungsstelle zu überwinden. Einige verzichten darauf und somit auch auf Kraftstoffzufuhr für das innere Chemiewerk für Powernachschub. Einige nehmen auch die Annehmlichkeit des Gefahrenwerdens gerne an. Es ist eben für alles gesorgt, zumal es kein Wettkampf, sondern ein Gruppenlauf mit Wirgefühl sein soll. Fähre Hohenhörn, Fähre Hochdonn, Fähre Burg. Die Gespräche in der Gruppe sind schon lange verstummt. Die Sitzplätze in den Service-Autos füllen sich und die Wolldecken werden knapp. Die rote Sonne wird von der Böschung schon verdeckt. Noch eine weitere Kräfte zehrende 7,5km lange Etappe bis zur Fähre Kudensee. Nun sind es nur noch 6,5km bis zur Schleuse Brunsbüttel.


Fast 23Uhr, wir sind in Ostermoor. Die siebenköpfige Familie Rau, aus Busdorf bei Schleswig, die uns von Kiel an begleitet hat, empfängt uns hier. Die Mutter, ist MS-Betroffene, sitzt im Rollstuhl, ist auch die ganze Zeit dabei. Die Läufer kleiden sich mit reflektierenden Westen und blinkenden Leuchten. Im Gänsemarsch geht es in der Dunkelheit hinein in die Stadt. Am Jachtbootshafen empfängt  uns Volksfeststimmung. Die DMSG-Gruppe mit Transparent, unsere Betreuer, Freunde,  Familienangehörige und der Bürgenmeister Wilfried Hansen. Es werden Tabletts mit viel Bier gereicht. Wir werden auf die Musikbühne geleitet und der Bürgermeister hat in einer gut vorbereiteten Rede viele gute Worte für unseren Einsatz für die gute Sache und das Publikum gibt uns viel Applaus. Als Wegzehrung gibt uns Wilfried Hansen noch eine Kiste Dithmarscher mit in die Turnhalle. Noch etwas Essenfassen, duschen, auf den Matten Kojebauen.  Bei der Siegerehrung, alle sind Sieger und alle fühlen sich zu recht auch so, gab es führ jeden von der DMSG eine Rose aus Frauenhand mit einem Lächeln. Der Team-Chef übergab einen glänzenden Pokal und der Organisator die Urkunde mit ein paar Aufzählungen aus dem angehäuften Sportkonto des zu Ehrenden. Um 02:30Uhr bringen die Service-Autos die ersten Heimkehrer zurück zu ihren Autos nach Holtenau. Kurze Zeit später ist auch in der Turnhalle „Ruhe im Schiff“.
Es war wieder ein sehr Kräfte zehrendes, erlebnisreiches Laufabenteuer für alle Teilnehmer, Helfer wie Läufer.  Auch dem fast blinden Steffen aus Thüringen, der sehr gelassen und kraftvoll unterwegs war, hat es sehr gut gefallen.
Die eingegangenen Spenden werden verwendet fürs Rollstuhltraining der MS-Betroffenen.
Auch der immer im Mai durchgeführte 62 KM Ultra-Lauf vom Hafen Husum bis zum Hafen Eckernförde/Südstrand hilft als Benefiz-Lauf mit, Spenden für die gute Sache für MS-Betroffene zu sammeln.

Kommentierte Bilder von Martin Dirnfeldner aus Bonn: Galerie-1,
Bilder von Jörg Petersen, fotografischer Begleiter von Rainer Feddersen aus Flensburg: Galerie-2

Karl-Heinz Jost
Juni 2009

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 11. Juli 2009 um 10:31 Uhr